Von Anatomie Skeletten, Wirbelsäulen- und Schultergelenk-Modellen

MRT Aufnahme der Wirbelsäule
MRT Aufnahme der Wirbelsäule

Trotz fehlender medizinischer Ausbildung, habe ich schon ganz schön viele Anatomie Modelle gesehen. Irgendwie verfolgen sie mich bereits mein halbes Leben lang. Und das kam so.

Das erste Mal hatte ich mit ca. 23 Jahren Rückenschmerzen. Als diese Rückenschmerzen über eine längere Zeit nicht besser wurde, suchte ich einen Orthopäden auf. Dieser Orthopäde fackelte nicht lange und verfrachtete mich ohne große Ansprache auf einen großen Röntgentisch, um ein großes Röntgenbild meiner Wirbelsäule anzufertigen. Nachdem das Röntgenbild fertig war, durfte ich zur Besprechung wieder im Arztzimmer Platz nehmen. Auf dem Röntgenbild konnte man nichts Ungewöhnliches entdecken. Heute frage ich mich, was das auch hätte sein sollen.

Der Orthopäde rollte das hinter der Tür stehende Anatomie Skelett in die Mitte des Zimmers und erklärte mir nun grundlegende Eigenschaften des menschlichen Skeletts, insbesondere Eigenschaften der Wirbelsäule. An diesem Skelett-Modell konnte man auch einen Bandscheibenvorfall sehen, zumindest rudimentär. Anhand eines kleineren Wirbelsäulenmodells auf seinem Schreibtisch, das er während seiner Ansprache immer recht grob hin und her bewegte und an diesem man einen Bandscheibenvorfall noch einmal etwas detaillierter sehen konnte, erklärte er mir noch einmal einige Details im Schweinsgalopp. Allerdings ging der Orthopäde nicht davon aus, dass ich einen solchen Bandscheibenvorfall hätte. Rückblickend hätte es mich auch sehr gewundert, wie er einen solchen Bandscheibenvorfall auf einem Röntgenbild hätte diagnostizieren können. Aber das ist ein anderes Thema.

Das Fazit des Orthopäden lautete: Sport, Sport und nochmals Sport. Gut, für diesen Tipp hätte es sicherlich nicht unbedingt ein Röntgenbild meiner Wirbelsäule gebraucht. Mit einem große Umschlag, der meine Röntgenbilder enthielt, und einem Rezept für Krankengymnastik verließ ich die Praxis.

Ich meldete mich zu einer Krankengymnastik in der Nähe an. Bei meinem ersten Termin kam nach einem ersten Gespräch über meine Beschwerden wieder ein alter Bekannter zum Einsatz, nämlich ein sehr ähnlicher knöcherner Freund, wie ihn auch der Orthopäde hinter der Tür hervor rollte. Auch hier wurde mir wieder die Wirbelsäule mit all ihren Eigenschaften und möglichen Problemen vorgeführt und erklärt. Die folgenden Physiotherapie-Termine machten mir Spaß und ebneten mir den Einstieg in den Sport, denn nachdem das Rezept aufgebraucht war, meldete ich mich bei einem Fitnessstudio an und trainierte regelmäßig.

Viele Jahre später war es dann aber leider wirklich soweit: Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Während einer Einheit Kreuzheben merkte ich plötzlich wie mir irgendetwas an der unteren Wirbelsäule kaputt ging. Ich brach das Training sofort ab und ging mit Schmerzen und einem unguten Gefühl nach Hause. Mitten in der Nacht wachte ich dann mit unglaublich starken Rückenschmerzen auf und konnte mich nicht mehr bewegen. Ein Notarzt musste kommen, um mir eine Spritze und Tabletten zu verabreichen. Am nächsten Tag schleppte ich mich zu einem Orthopäden und auch hier kam wieder der alte Bekannte, das Anatomie Skelett zum Einsatz, um mir anhand dessen zu erklären, was ich schon wusste. Diesmal vermutete der Orthopäde aufgrund meiner Beschwerden, die sich vom unteren Rücken bis ins Bein erstreckten, einen Bandscheibenvorfall und überweis mich zu einem MRT.

Das MRT bestätigte den Verdacht, es handelte sich um einen ausgewachsenen Bandscheibenvorfall. Es folgten viele weitere Arztbesuche und ich pendelte zwischen Hausarzt, Orthopädie und Neurochirurgie. Nachdem man sich dazu entschloss, diesen Bandscheibenvorfall zunächst konventionell zu behandeln, folgten weitere Termine bei der Physiotherapie. Und immer wieder zeigten mir Ärzte und Physiotherapeuten ihre schönen Anatomie Modelle. Mittlerweile kannte ich diese Modelle schon auswendig.

Da ich jemand bin, der gerne genauer wissen möchte, was sich in seinem Körper so tut, recherchierte ich natürlich ausführlich selber zum Thema Bandscheibenvorfälle. Ich verschlang alle verfügbaren Informationen auf Websites und in Büchern. Und natürlich gehören zu diesen Informationen auch immer Bilder und Modelle des Skeletts. Mittlerweile kannte ich mich schon ziemlich gut aus.

Ungefähr ein Jahr nach diesem Bandscheibenvorfall konnte ich meinen Sport langsam wieder aufnehmen. Die Rückenprobleme gingen jedoch leider nie mehr ganz zurück.

Einige Jahre später erwischte es mich schon wieder. Diesmal war es meine rechte Schulter, die plötzlich immer größere Probleme machte. Auch mit diesen Schulterschmerzen besuchte ich wieder einen Orthopäden, der mit Röntgenbildern, MRT-Bildern sowie Ultraschall versuchte, sich ein Bild meiner Schulter zu machen. Dieser Orthopäde hatte ein sehr schönes Anatomie Modell einer Schulter auf seinem Schreibtisch stehen, anhand dessen er mir die komplexen Strukturen der Schulter erklärte. Insbesondere zeigte dieses Anatomie Schulter Modell sehr anschaulich den Sachverhalt des weit verbreiteten Impingement-Syndroms.

Es folgten viele, sogar sehr viele Behandlungen aller Art. Über die Jahre wurden meine immer weiter zunehmenden Schulterschmerzen mit Tabletten, Spritzen, Stoßwellentherapie, Physiotherapie, Akkupunktur und Osteopathie behandelt. Und egal bei welcher Fachrichtung ich gerade war, immer zeigte man mir Anatomie Modelle der Schulter, um mir deren Funktion und Schwachstellen zu erläutern. Auch als ich viele Jahre später bei einem Schulterchirurg vorstellig wurde, da diese Schulterschmerzen nicht in den Griff zu bekommen waren, konnte ich die beeindruckende Sammlung verschiedener Anatomie-Skelett-Modelle auf seinem Schreibtisch bewundern. Hier waren hauptsächlich Schultern und Knie versammelt. Die Kniegelenk-Modelle kannte ich zwar noch nicht, aber mit den Schultergelenk-Modellen konnte mich der Chirurg nicht mehr beeindrucken, da ich mir diese Modelle schon Dutzendfach angeschaut hatte.

Um auszuschließen, dass diese Schulterprobleme, die hartnäckig auf keine Behandlung ansprachen, nicht eventuell von der Halswirbelsäule kommen könnten, wurde ich zunächst in die Neurochirurgie überwiesen, wo man ein MRT der Halswirbelsäule anfertigte. Als die MRT-Aufnahmen vorlagen, erklärte man mir auch hier anhand einiger hübscher Halswirbelsäulenmodelle wieder deren Funktion und Anatomie. Insbesondere der Verlauf der Nerven war hier sehr interessant. Es wurden auch einige Probleme meiner Halswirbelsäule identifiziert, allerdings sollten diese angeblich nicht für die vorliegenden Schulterprobleme verantwortlich sein.

Letztlich wurde ich an der Schulter operiert, allerdings zeigte diese Operation leider nicht den gewünschten Erfolg. Die Schulterschmerzen sind also geblieben. Geblieben ist auch mein Faible für solche Anatomie Modelle aller Art, die mich bis heute begleiten.

Ein eigenes Skelett kaufen muss ich mir jedoch nicht. Denn jedes Mal wenn ich die Trainingsräume meines medizinisch-orientierten Fitnessstudios betrete, werde ich von einem Anatomie Skelett in Lebensgröße begrüßt. Zur Weihnachtszeit trägt es sogar ein lustiges Weihnachtsmann Outfit und an Halloween nimmt es uns in einem gruseligen Halloween Kostüm in Empfang.